Ich war Etappenwandern in Portugal.
Jeden Tag ein Stück weiter.
Schritt für Schritt.
Am Anfang denkst du noch.
Wie weit ist es noch?
Wann kommt die nächste Pause?
Wie heiß ist es heute?
Und dann, irgendwann, passiert etwas.
Die Gedanken werden weniger.
Bis irgendwann gar keine mehr da sind.
Es geht dich.
Ein Fuß vor den anderen.
Atmen.
Schritt.
Schritt.
Schritt.
Es passiert einfach.
Die Zeit wird weit
Irgendwann weißt du nicht mehr, wie lange du schon unterwegs bist.
Eine Stunde? Drei? Vier?
Es ist egal.
Die Zeit dehnt sich aus, bis sie nicht mehr messbar ist.
Es gibt kein „zu spät".
Kein „noch so weit".
Kein „wann bin ich endlich da?"
Nur den Weg.
Und plötzlich hörst du Dinge, die sonst untergehen.
Die Zikaden in der Hitze.
Ein Vogel, irgendwo zwischen den Bäumen.
Den Wind.
Deine Schritte.
Die Luft beginnt zu vibrieren.
Du bekommst Hunger.
Nicht weil es Mittag ist.
Sondern weil dein Körper sagt:
Jetzt.
Und du merkst, dass dein Körper eigentlich ziemlich gut weiß, was er braucht.
Und dann siehst du ihn
Einen Stein.
Ganz unscheinbar.
Aber seine Form sieht aus wie ein Gesicht.
Du bleibst stehen.
Schaust.
Und musst vielleicht ein bisschen lachen.
Wie oft wäre ich daran vorbeigegangen?
Wenn ich schneller gewesen wäre.
Wenn ich nur ans Ankommen gedacht hätte.
Dann gehst du weiter.
Und plötzlich öffnet sich die Landschaft.
Die Küste.
Das Meer weit unten.
Dazwischen riesige Felsbrocken, die aussehen wie gigantische Kuchenstücke.
Du bleibst wieder stehen.
Nicht weil du musst.
Sondern weil du einfach schauen möchtest.
Vielleicht ist genau das Gehen
Nicht schneller werden.
Nicht weiter kommen.
Nicht etwas leisten.
dass du dich selbst
gar nicht mehr beim Gehen beobachtest.
Du bist einfach da.
Im Wind.
In der Hitze.
In der Stille.
Im Körper.
Im Weg.
Und vielleicht ist das eine ganz besondere Form von Ankommen.
Nicht am Ziel.
Sondern bei dir.
Bei Klangreisen passiert Ähnliches — der Körper übernimmt,
der Kopf darf loslassen.
